Lesen und Schreiben kann doch jeder …

Lesen und Schreiben sind keine angeborenen Fähigkeiten. Es liegt sozusagen nicht in unseren Genen, Buchstaben zu entziffern. Es sind künstliche Fähigkeiten, die wir uns in den ersten Schuljahren mehr oder weniger erfolgreich aneignen.

Was bedeutet Legasthenie?

Schwierigkeiten mit dem Rechtschreiben und Lesen werden unter den Begriffen Lese-/Rechtschreibschwäche bzw. Legasthenie zusammengefasst und haben sehr facettenreiche Erscheinungsformen:

  • Große Ablenkung und schnelle Erschöpfung beim Lesen oder Schreiben
  • Trotz intensiven Übens sind keine wesentlichen Fortschritte zu erkennen
  • Schlechtes Schriftbild und Abschreibfehler
  • Es werden immer wieder die gleichen Fehler gemacht
  • Aufgaben werden nicht in der adäquaten Zeit gelöst
  • Zusätzliche Teilnahme am Förderunterricht oder intensives Üben zeigen keine Wirkung
  • Lernfrust und Vermeidungsstrategien
  • Auffälligkeiten im Verhalten (Ablenkung durch „Blödeln” oder Zurückgezogenheit)
  • Buchstaben werden ausgelassen
  • Buchstaben werden vertauscht bzw. verwechselt (ie, ei)
  • Beim Lesen und/oder Schreiben werden ähnliche Buchstaben verwechselt (z. B. b/d/p)
  • Wörter werden lautgetreu geschrieben (z. B. garasche, farat)
  • Unterschiedliche Schreibweisen eines Wortes im gleichen Text
  • Schwierigkeiten beim Zusammenlauten von Wörtern

Sind Ihnen diese oder ähnliche Situationen vertraut, dann empfehlen wir Ihnen, eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Denn bloßes Üben bringt keinen Erfolg. Die Feststellung der Defizite und ein individuell abgestimmtes Training sind unabdingbar für die erfolgreiche Überwindung.

Fallbeispiel

Christoph geht in die 4. Klasse Volksschule. Bisher war er in Deutsch immer recht gut. Ok, für die Ansagen haben seine Mutter und er immer sehr, sehr viel geübt. Aber mehr wie ein oder zwei Fehler hatte er dann oft nicht. „Dann haben sie in der Schule begonnen, kurze Aufsätze zu schreiben und ich bin völlig verzweifelt“, erzählt die Mutter. „Wörter, die er bei den Ansagen immer richtig geschrieben hat, sind nun wieder völlig falsch und zum Teil ist in einem Text das gleiche Wort dreimal anders geschrieben!“

Aufsatzschreiben mag Christoph überhaupt nicht. „Was soll ich denn zu den Bildern alles schreiben? Das kann man doch in einem Satz erklären!“ Lesen mag er auch nicht, er findet es anstrengend und außerdem weiß er oft gar nicht mehr, was er gelesen hat.

In der Klasse ist Christoph sehr beliebt. Vor allem, weil er immer sehr viel zu erzählen hat und gerne Späße macht, auch während des Unterrichts. Die Lehrerin beschreibt ihn als „Energiebündel“ – ständig wetzt er auf seinem Sessel oder spielt mit Sachen herum. Das lenkt dann natürlich auch die anderen Kinder ab.